Fr
04
Dez
2009
Haben oder nicht haben - Das Kaffeetassen-Experiment
Nehmen Sie bitte einmal an, Sie besitzen eine Kaffeetasse. Nehmen Sie bitte weiterhin an, Sie trügen sich mit dem Gedanken, diese zu verkaufen und überlegten sich dafür einen angemessenen Preis. Szenenwechsel: Stellen Sie sich bitte eine andere Person vor, die diese Tasse gegebenenfalls kaufen würde und die sich überlegt, wie viel ihr diese Tasse Wert wäre.
Ein ähnliches Experiment wurde von dem amerikanischen Forscher Daniel Kahneman Anfang der neunziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts unternommen.
Er bat eine Gruppe von Personen, den Wert zu benennen, den eine Kaffeetasse - die er ihnen geschenkt hatte - für sie hätte. Und er bat eine zweite Gruppe von Personen, sich zu überlegen, zu welchem Preis sie eine solche Tasse erstehen würden. Beide Gebote sollten zwischen 9,25 $ und 0,25 $ liegen. Was glauben Sie zu welchem Ergebnis Kahneman kam? Der Preis der „Verkaufsgruppe" lag im Mittel bei 7,12 $, während der Preis der „Kaufgruppe" gerade mal bei 2,87 $ lag.
Wie kann das sein? Offensichtlich steigt der wahrgenommene Wert eines Objekts, wenn man es besitzt. Kahneman nannte dies den „Endowment-Effect" (deutsch: Besitztumseffekt). Was ich habe bedeutet mir mehr als die gleiche Sache, wenn ich sie nicht habe.
Unweigerlich kommen mir dabei unzählige Teamentwicklungen oder Change-Situationen in den Sinn. Die Belegschaft eines Logistik-Unternehmens zum Beispiel, die aus der allerletzten Bruchbude in ein supermodernes Logistikzentrum umzieht und die trotz arbeitnehmerfreundlichster Gestaltung immer noch „Halle 3" nachhängt. Da war halt alles besser. Oder die Teams eines Call-Centers, die ebenfalls aus einem Sanierungsfall in einen wunderschönen Hightech-Neubau übersiedelten. Weißt Du noch damals ...?
Natürlich wäre es zu einseitig, hier nur von Endowment zu sprechen. Selbstverständlich spielt auch Reaktanz eine Rolle, also der Widerstand gegen innere oder äußere Einschränkungen. Bekannt ist das gegen Reaktanz am besten rechtzeitiges Einbeziehen der Betroffenen hilft. Betroffene zu Beteiligten machen heißt es oft. Mit anderen Worten, wenn sich jemand dagegen wehren könnte, dass über seinen Kopf hinweg über ihn oder seine Arbeit bestimmt wird, dann ist es eine gute Idee, ihn mitmachen zu lassen.
Und was tun bei „akutem Endowment"? Zwei Sachen: erstens Abschließen mit dem Alten und zweitens das Neue in Besitz nehmen. Ersteres hat etwas von Trauerarbeit bei der Rituale helfen. Für letzteres könnten kreative Wege gegangen werden. Diese reichen von der Einzugsparty im Rohbau bis hin zur Ralley bei der verschiedene Teams gegeneinander antreten. Oder Sie bieten den Mitarbeitern die Möglichkeit, Anteile am neuen Gebäude zu erwerben.
Es ist aber auch schon eine gute Idee, den Mitarbeitern zuzuhören, ihre Sorgen ernst zu nehmen, sie rechtzeitig zu informieren und in die Gestaltung einzubeziehen. Und das kostet auch weniger. Vielleicht nur eine Tasse Kaffee ...
Kommentare: 1
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#1
Die Idee, die dort ausgeführt wurde, ist wirklich sehr interessant. Da hat man sich mal Gedanken gemacht und sich auch mal das von den anderen Leuten angehört.
