Mo
14
Dez
2009
Das weiße Kaninchen – Verhalten verändern
Es gehört zu den Grundprinzipien der menschlichen Wahrnehmung, das zu verstärken, was man wahrnimmt. Logisch! Selektive Wahrnehmung bedeutet nichts anderes, als das ich bestimmten Dingen meine Aufmerksamkeit schenke und andere ausblende. Wenn Sie sich einen neuen VW Golf gekauft haben, könnten Sie den Eindruck gewinnen, dass die ganze Welt dieses Modell fährt. Sie sehen es plötzlich überall. Und verschiedene Entspannungstechniken arbeiten mit dem Prinzip, bestimmte Körperempfindungen in den Fokus zu nehmen, um Spannungen aufzulösen.
Überall bestimmte Autos wahrzunehmen berührt uns wenig. Spannungen zu aufzulösen finden wir vermutlich angenehm. Aber manchmal rücken wir etwas ins Zentrum unserer Aufmerksamkeit und beißen uns regelrecht daran fest. Meist geschieht dies dann, wenn dieses Etwas uns unangenehm ist, wenn wir es also gerne loswerden bzw. sein lassen würden. Das gilt z.B. für „mit dem Rauchen aufhören" genauso wie für Konfliktsituationen in Teams wie z.B. „Wir sprechen mehr übereinander als miteinander". In Gruppenkonstellationen steht plötzlich nur noch das negative Erleben im Mittelpunkt. Vielfach können wir jetzt beobachten, wie der Versuch scheitert, ein bestimmtes Verhalten abzustellen.
Was macht es uns so schwer? Nun, versuchen wir es mit einem kleinen Experiment: Denken Sie doch jetzt bitte einmal NICHT an ein WEISSES KANINCHEN! Und, hat's geklappt? Vermutlich nicht und das liegt daran, dass unser Gehirn mit dem Wörtchen „nicht" nichts anfangen kann. Wir können uns nämlich nicht „nicht" von etwas ein Bild machen - sondern nur „von" etwas. Es gibt im Gehirn sozusagen kein Negativ von etwas. Und schon ist es passiert, wir nehmen etwas in den Fokus, was wir eigentlich loswerden wollen. Was wir beobachten, verstärken wir!
Was ist die Alternative? Im Coaching gibt es eine einfache aber ungeheuer wirkungsvolle Intervention mit dem Wörtchen „sondern" (nachzulesen in dem sensationellen Buch von Manfred Prior „MiniMax-Interventionen: 15 minimale Interventionen mit maximaler Wirkung"). Nimmt sich ein Klient z.B. vor, nicht mehr so barsch zu seinen Mitarbeitern zu sein, lenkt man als Coach die Aufmerksamkeit mit einem einfach „... sondern?" auf die positive Alternative. Simpel? Sie würden sich wundern, wie gut Klienten beschreiben können, was sie alles nicht wollen und wie schlecht, was stattdessen sein soll.
Aus diesem Grund ist es so wichtig, das Ziele und vor allem Veränderungsziele positiv formuliert sind. Sie sollten aussagen was sein soll und nicht, was nicht sein soll. Manchmal habe ich den Eindruck, dass ich fünfzig Prozent meiner Zeit in Teamentwicklungen damit verbringe, Teilnehmerbeiträge immer wieder in diese Richtung konkretisieren zu lassen. Also z.B. „Wir sprechen mehr miteinander!" statt „Wir sprechen nicht mehr übereinander!"
