Mi

06

Jan

2010

Vertrauen gewinnen als Kontakt-Sport?

(c) Martin Schemm / www.PIXELIO.de (c) Martin Schemm / www.PIXELIO.de

Frage ich 100 Führungskräfte, was ihrer Meinung nach ihr höchstes Gut sei, so werde ich (hoffentlich) mehrheitlich zu hören bekommen: Vertrauen! Und viele dieser Führungskräfte hätten vermutlich auch gerne den Generalschlüssel zum Vertrauen ihrer Mitarbeiter. Aber ist das so einfach möglich?

 

Nehmen wir ein einfaches Beispiel aus dem Fundus psychologischer Forschung:

Der Amerikaner Dacher Keltner, hat den Nachweis erbracht, dass zwischen Körperkontakt und Vertrauen eine enge Beziehung besteht. Er lud Probanden ein, an einem einfachen Spiel teilzunehmen. Während er die Aufgabe erklärte, berührte er gezielt, wenn auch ganz sachte, einige Teilnehmer am Rücken. Beim anschließenden Spiel zeigte sich, dass diejenigen Teilnehmer, die er unaufdringlich und scheinbar beiläufig berührt hatte, mit ihrem Spielpartner eher kooperierten, statt mit ihm zu konkurrieren.

 

Jetzt könnte man auf die Idee kommen, einfach allen Führungskräften regelmäßigen Körperkontakt mit deren Mitarbeitern zu empfehlen. Das bizarre Bild von tätschelnden, stupsenden und klopfenden Führungskräften bekomme ich gar nicht mehr aus dem Kopf – und das in Zeiten der Schweinegrippe …

 

Gegenbeispiel, ich habe einen sehr guten Freund mit dem mich viele Jahre und noch mehr Erinnerungen verbinden. Trotzdem nimmt er bei den in unserem Freundeskreis obligatorischen Begrüßungsritualen stets Reißaus. Offensichtlich haben Menschen sehr unterschiedliche Bedürfnisse nach Nähe und Distanz, was allgemeingültige Lösungen nach dem statistischen Mittelwert wenig sinnvoll erscheinen ließe. Es gäbe zu große „Streuverluste“.

 

Welcher Weg führt also zum Vertrauen der Mitarbeiter? Zunächst ist es nicht falsch, Zusammenhänge wie den o.g. zu kennen. Dann aber führt der Weg nicht daran vorbei, seinem Gegenüber Aufmerksamkeit zu schenken, um ein Gefühl dafür zu entwickeln, wie viel Nähe bzw. Distanz es wünscht. Trauen Sie Ihrem Gefühl aber hüten Sie sich vor vorschnellen Festlegungen nach dem Motto „das ist ein Kuschel-Typ“. Von Carl Rogers gibt es vielleicht doch ein echtes Patentrezept für eine vertrauensvolle Beziehung: Empathie, Wertschätzung und Authentizität – ganz einfach aber eben nicht leicht. Besonders Letztgenanntes dürfte jedoch eine notwendige Bedingung für Vertrauen sein. Denn das Gefühl, der andere ist nicht „echt“ zu mir, kann nur misstrauisch machen. Wer folglich allzu unreflektiert Trainingslehren über seine Umgebung ausschüttet, wird Schiffbruch erleiden.

 

Mit Vertrauen ist es wie mit Motivation. Man wirkt am besten indirekt, durch Tun! Kein „Sie können mir vertrauen, das wissen Sie!“ wirkt so gut wie der Vertrauensvorschuss, den ein Vorgesetzter seinem Mitarbeiter gibt. Kein Schulterklopfen fördert Vertrauen in derselben Güte wie der Verzicht auf akribische Kontrollmechanismen. Und auf der anderen Seite zerstört nichts Vertrauen nachhaltiger, als seinerseits sein Wort zu brechen.

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