Di

12

Jan

2010

Vertrauen verlieren leicht gemacht

(c) Helmut J. Salzer / www.PIXELIO.de (c) Helmut J. Salzer / www.PIXELIO.de

Kann man eigentlich genug betonen, wie wichtig Vertrauen ist? Gibt es eigentlich noch irgendeinen Wirtschaftslenker, der nicht um die Bedeutung von Vertrauen für sein Unternehmen weiß? Kürzlich musste ich völlig konsterniert folgende Nachricht lesen: Ein Unternehmen hatte versucht, in Abwesenheit seiner Mitarbeiter über Weihnachten, einen Produktionsstandort zu schließen und alle Maschinen klammheimlich abzutransportieren.

 

„Zufällig entdeckte ein Mitarbeiter am Samstagabend, dass in der Fabrik ... Licht brannte, obwohl am Donnerstag doch alle Mitarbeiter ihren Weihnachtsurlaub angetreten hatten. Als er mit Kollegen nachsehen wollte, waren die Schlösser am Haupttor des Firmengeländes bereits ausgetauscht. Über einen Nebeneingang gelangten sie auf den Hof und staunten nicht schlecht: Fremde Arbeiter waren dabei, die Maschinen abzubauen." (Neue Westfälische vom 24.12.09)

Das mag ein seltenes und selten drastisches Beispiel sein, wie sich Vertrauen zerstören lässt. Man könnte dem entgegenhalten, dass ein Unternehmen, das auf eine Insolvenz zusteuert, auf das Vertrauen seiner Mitarbeiter pfeifen darf - rein wirtschaftlich betrachtet. Wie sich das auf die anstehenden Begegnungen vor dem Arbeitsgericht auswirken wird, da darf man gespannt sein. Als sicher dürfte gelten, dass Kunden des Mutterkonzerns künftig zurückhaltender reagieren werden.

 

Also noch einmal: Vertrauen ist wichtig! In einem weniger existenzvernichtenden Kontext macht es den Unterschied aus zwischen schnellen und langsamen Unternehmen. ‚Ist die Katze aus dem Haus, tanzen die Mäuse auf dem Tisch.‘ Ein Unternehmen, das eine Katze benötigt, kann niemals so schnell agieren, wie ein Unternehmen, in dem die Mäuse, pardon Mitarbeiter, eigenverantwortlich arbeiten und mitdenken. Das tun sie aber nur, wenn sie vertrauen.

 

Das führt mich zu den drei grundlegenden Fragen für Unternehmen: Wie baue ich Vertrauen auf? Wie erhalte ich es? Und wie vernichte ich es?

 

Zu der ersten Frage habe ich keine Patentantwort aber zwei wichtige Hypothesen. Erstens: Vertrauen aufzubauen ist ein langwieriger Prozess. Es kann sich über Jahre hinziehen, das Vertrauen von Menschen zu gewinnen. Zweitens: Vertrauen lässt sich nur mittelbar aufbauen. D.h. weder über Appelle („Schenken Sie mir Ihr Vertrauen!") noch über Selbstbeschreibungen („Sie wissen, dass meine Tür immer für Sie offen ist!") lässt sich Vertrauen erfolgreich direkt beeinflussen. Die einzige Chance liegt darin, mit Vertrauen in Vorleistung zu gehen und in Worten und Taten kongruent zu sein. Danach kann man nur hoffen, dass das eigene Verhalten die gewünschte vertrauensbildende Wirkung erzielt. Sicher sein kann man letztlich nicht.

 

Die Antwort auf Frage zwei und drei ist dieselbe nur mit umgekehrten Vorzeichen: Ich vernichte Vertrauen - egal wie lange und mühselig ich es aufgebaut habe - u.U. in einem einzigen schwachen Moment. Fragen Sie mal den französischen Fußballstar und bis dato Bilderbuch-Sportsmann Thierry Henry nach seinem Hand-Tor in der WM-Qualifikation. Das bedeutet, dass ich einfach alles unterlassen sollte, das Vertrauenskapital vernichtet. So einfach ist das! Die wirklich wichtige Frage an Unternehmenslenker und Führungskräfte ist also: Was tue ich (tagtäglich) um das Vertrauen meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu verringern? Um es dann einfach zu unterlassen.

 

Nichts tun ist manchmal machtvoller als sich abmühen.

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