Di

16

Feb

2010

Mentaltraining - Die Vorstellungskraft nutzen

(c) Rainer Sturm / www.PIXELIO.de (c) Rainer Sturm / www.PIXELIO.de

Dass der Begriff ‚Coach‘ dem Leistungssport entlehnt ist, ist bekannt. Im Coaching werden zudem häufig Metaphern aus dem Leistungssport verwendet. Nur ein Beispiel von vielen ist die Teammetapher, zu der wahlweise Fußballmannschaften, Segel-Crews oder Staffel-Teams herangezogen werden. Bei genauerem Hinschauen wird man allerdings gewahr, dass der Vergleich stark hinkt. Zwischen einem „Sport-Coach“ und seinem Team besteht ein klares Unterordnungsverhältnis. Die Rollenerwartung an Ihn ist daher eher die an eine Führungskraft im Wirtschaftssystem. Und an der Frage, ob eine Führungskraft Coach sein kann, scheiden sich seit längerem die Geister. Gleichwohl werden immer wieder Analogien zwischen Sport und Wirtschaft bemüht, nach dem Motto „Von Michael Schuhmacher lernen heißt siegen lernen“ oder „Motivieren wie Klinsmann“ oder „Teamentwicklung wie auf der Alinghi“.

Ich selbst arbeitete als Coach mit einer jungen Basketballmannschaft zusammen. In meiner Arbeit mit meinem Team und während meiner Zeit als Übungsleiter im Breiten- und Leistungssport ist mir schnell klar geworden, dass ich mich nicht nur um die athletischen, taktischen und spieltechnischen Belange meiner Spieler kümmern muss, sondern natürlich auch um soziale und vor allem mentale Aspekte, wenn ich den größtmöglichen Erfolg haben wollte.

 

Ein erprobtes Mittel des Mentaltrainings im Sportbereich heißt „Visualisierung". Nein, das hat in diesem Fall wenig mit Flipcharts und Powerpoint zu tun. Gemeint ist eine Technik, die die eigene Vorstellungskraft nutzt, um die Handlungsausführung positiv zu beeinflussen. Würden Sie in diesem Artikel nur diesen Satz letzten Satz lesen, so wüssten Sie sicher nicht zu unterscheiden, ob es um Sport oder Business geht. Daher bin ich mir sicher, dass die Prinzipien dieser Technik auch für Führungskräfte und Coachs sinnvoll einzusetzen sind.

 

Aktuell laufen gerade die olympischen Winterspiele in Vancouver. Haben Sie schon einmal Rodler oder Bobfahrer vor dem Start beobachten können? Was tun die dann? Meist sieht es nach seltsamen Zuckungen mit geschlossenen Augen aus. In Wahrheit versuchen sie sich den Streckenverlauf vor Ihrem geistigen Auge vorzustellen. Und das aus gutem Grund: Es gibt viele Hinweise darauf, dass eine Handlung, die man im Geiste vorwegnimmt, besser ausgeführt wird. Und das Tolle daran: Selbstverständlich funktioniert es in der Vorstellung jedes Mal perfekt. Das ist der Clue. Niemand stellt sich bei dieser Übung vor zu versagen. Natürlich nicht. Es geht darum, sich selbst als erfolgreich wahrzunehmen. Und das verändert einiges!

 

Hier meine Anleitung für meine Sportler:

  1. Der Spieler fokussiert das Ziel (die Mitte des Rings) mit geöffneten Augen.
  2. Er schließt die Augen und ruft das Bild des Ziels vor seinem geistigen Auge auf.
  3. Er führt die Wurfbewegung mit geschlossenen Augen und ohne Ball durch. Die Bewegung soll mit halber Geschwindigkeit ausgeführt werden. Er soll den kinästhetischen Empfindungen der Wurfbewegung nachspüren, bis sie sich „richtig" anfühlen.
  4. Dann erfolgt die eigentliche Visualisierung (mit geschlossenen Augen): Sich vorstellen, ...
    ... der Ball läge perfekt in der Hand ...
    ... die Wurfbewegung fühle sich genau richtig an ...
    ... der Ball verließe die Hand und fliegt in Zeitlupe ...
    ... er senkte sich und landete ohne Ringberührung im Korb ...
    ... es gäbe das charakteristische Geräusch eines sauberen Treffers („Swish")
  5. Diese Übung wird 3-5 Mal wiederholt, bis der Spieler ein klares Bild eines perfekten Wurfs aufrufen kann.
  6. Dann führt der Spieler dieselbe Übung in realer Geschwindigkeit und mit geöffneten Augen 1-2 Mal aus.
  7. Dann kommt der Ball ins Spiel.

 

Welchen Nutzen können Manager aus dieser Übung ziehen? Dazu an dieser Stelle nur so viel: Es lohnt sich, sich Zeit zu nehmen, sein Ziel in allen Einzelheiten auszumalen und sich vorzustellen, wie toll es wäre, es wirklich zu erreichen.

 

Wer mehr wissen oder es ausprobieren möchte schreibt einen Kommentar oder ein Email an mich. Ich freue mich auf Ihre Hinweise und Fragen!

 

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Kommentare: 1

  • #1

    Franz Josef Neffe (Freitag, 25 März 2011 20:21)

    "Nicht der Wille ist der Antrieb unseres Handelns sondern die Vorstellungskraft", das ist der erste Satz in E.COUÈs weltberühmtem kleinem Buch über die Autosuggestion. Zehntausenden Hilfesuchenden aus aller Welt jährlich konnte Coué damit helfen und machte so die Autosuggestion aufgrund seiner praktischen Erfolge in wenigen Jahren zu einer weltberühmten Selbsthilfe-Methode, die es sich auch heute lohnt, genau anzuschauen und auszuprobieren. Guten Erfolg!
    Franz Josef Neffe

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