Di
02
Mär
2010
Lernen - Geht da noch was?
Lernen? Beobachten Sie Kinder!
„Der ist doch nicht lernfähig!" Diesen Satz, gesprochen mit einer Mischung aus Empörung und Unverständnis, habe ich schon so manches Mal gehört - von Kollegen über Kollegen oder von Führungskräften über Mitarbeiter. Und ich will nicht behaupten, dass mir nicht gerade zu Beginn meiner Trainerlaufbahn bei manchem Teilnehmer ähnliches in den Sinn gekommen wäre. Den bunten Strauß an Ideen zum Thema „wie gehe ich als Trainer oder Führungskraft mit Widerständen um" will ich hier gar nicht zeigen.
Aber an zwei Aspekten ist mir doch sehr gelegen.
Erstens: Der MIT-Professer Douglas McGregor hat bereits 1960 seine X-Y-Theorien publiziert. Nach Theorie X ist der Mensch faul, flieht vor der Arbeit, ist von außen zu motivieren (mit Belohnung oder Strafe). Was passiert? Der Chef nimmt an, seine Mitarbeiter seien faul => er führt eng und kontrolliert akribisch => die Mitarbeiter entwickeln ein Verhalten, das darauf ausgelegt ist, belohnt zu werden und Strafe zu entgehen => dieses Verhalten erkennt der Chef und fühlt sich bestätigt. Ein Teufelskreis! Wer dieser Grundannahme folgt, für den wird jedes Fehlverhalten eines Mitarbeiters zur Jagd nach Henne und Ei. Oder anders ausgedrückt: Er oder Sie beantwortet die Frage „was denn zuerst da gewesen sei, das Verhalten des Chefs oder das des Mitarbeiters?" mit „der ist doch lernresistent".
Gut, dass es noch die Y-Variante gibt (gibt es eigentlich auch ‚Engelskreise‘?). Der Chef sieht das Gute im Menschen => er gibt ihm oder ihr Freiraum und Verantwortung => er oder sie dankt es ihm mit eigenverantwortlichem, engagierten Verhalten => der Chef fühlt sich bestätigt.
In beiden Fällen wäre das, was vom anderen angenommen wird, ausschließlich Schöpfung unseres eigenen Geistes. Und damit wäre klar, es kann auch ganz anders sein. Was auch immer es ist, es wird sich vermutlich bestätigen und verstärken.
Das führt mich zu meinem zweiten Aspekt: Der von mir sehr geschätzte Dr. Eckart von Hirschhausen schreibt sinngemäß, dass das menschliche Gehirn nicht dazu geschaffen sei, dauerhaft glücklich zu sein. Warum nicht? Weil es einen deutlichen evolutionären Nachteil bedeutet, permanent mit einer vollen Dosis des Botenstoffes Dopamin im Kopf durch die Welt zu laufen. Glückshormone wie Dopamin gibt es unter anderem als Belohnung für das Lösen von Problemen oder für das Bewältigen von Herausforderungen - kurz für's Lernen. So ist unser Körper tatsächlich darauf getrimmt, sich weiterzuentwickeln - auch geistig.
Also wie war das noch mit X und Y?
„Unser Gehirn entwickelt sich so, wie wir es mit Begeisterung benutzen!" (Prof. Gerald Hüther)
