Di

11

Mai

2010

Veränderungen, Lernen: Keine Angst vorm "Hockey-Stock"

In vielen Seminaren und Coachings habe ich gute Erfahrungen mit einem einfachen Modell gemacht. Es geht dabei darum zu verdeutlichen, warum wir uns bisweilen schwer tun, etwas neu oder anders zu machen, mit anderen Worten Veränderungen umzusetzen. Das gilt im Großen wie im Kleinen. Das Bild, um das es hier geht, ist das eines Hockey-Schlägers – englisch ‚Hockey-Stick'. Dieses Bild beschreibt den Einfluss, den eine Veränderung auf meine Leistungsfähigkeit hat.

Verlauf von Veränderungen Verlauf von Veränderungen

Nehmen wir ein einfaches Beispiel, um das zu veranschaulichen: Wenn Sie bei Ihrer Tätigkeit viel am Computer zu schreiben haben, dann haben Sie sich wahrscheinlich über die Jahre Ihre eigene Schreibtechnik angewöhnt. Sie kommen gut mit zwei bis sechs Fingern zurecht und schreiben nach Ihrem Dafürhalten zügig. Vielleicht geht es Ihnen aber immer noch nicht schnell genug und Sie möchten die Zehn-Finger-Technik erlernen. Damit wären Sie wesentlich schneller. Da Sie dazu jedoch Ihre gewohnte ‚Technik' aufgeben müssten, wären Sie zu Beginn erst einmal langsamer. Außerdem müssten Sie Zeit in das Trainingsprogramm investieren, Zeit, die Ihnen nicht für andere schöne oder wichtige Dinge zur Verfügung stünde. Kurzum Sie stehen erst mal schlechter da als vorher.

 

Nicht selten lassen wir es dann einfach bleiben oder schieben es immer wieder auf.

 

In der Abbildung liest sich dies wie folgt: Sie starten auf Level ‚A', sinken vorübergehend auf Level ‚B' ab, um dann auf dem deutlich höheren Level ‚C' zu landen. Betriebswirtschaftlich werden viele sagen „sieht nach einem guten Ertrag aus, da investiere ich gerne!" Meist kommt es aber dann doch nicht zur Veränderung und das liegt an dem Grundprinzip der menschlichen Motivation: dem Lust-Schmerz-Prinzip.

 

In ganz einfachen Worten bedeutet dies, wir tun etwas entweder, um Unangenehmes (Schmerz) zu vermeiden oder um Angenehmes (Lust) zu erhalten. Wenn wir nun auf Level ‚A' stehen, haben wir zwei Blickrichtungen. Erstens in Richtung ‚B' und zweitens in Richtung ‚C'. Was glauben Sie wohl, ist das stärkere Motiv, Lust oder Schmerz?

 

Nun, die Evolution hat uns ein bestimmtes Erbe mitgegeben. Für unsere steinzeitlichen Vorfahren war meist sofort klar „ich laufe lieber vor dem Säbelzahntiger weg, als dass ich weiter an der Stelle nach leckeren Beeren suche, wo dieser sein Mittagsschläfchen hält". Schmerz schlägt Lust.

 

Die Währungen, in denen wir heute einen Gewinn an Leistungsfähigkeit oder Zufriedenheit bezahlen, sind selten noch Versehrtheit von Leib und Leben, sondern vielmehr Unsicherheit, Sorge, Zeitverlust, etc. Ich blicke von ‚A' nach ‚B' statt nach ‚C' und die Sache ist meist schon gelaufen.

 

Aber wie sagte Großmutter schon? „Ohne Fleiß kein Preis!" Hier die entscheidenden Fragen, um etwas dennoch zu tun:

  • Wie viel höher als ‚A' muss ‚C' sein, und wie schnell muss ‚C' zu erreichen sein, um mich genug anzuziehen?
  • Wie niedrig muss ‚A' sein, um mich hinreichend abzustoßen?

 

Von Marc Twain stammt der Satz „eine Gewohnheit kann man nicht aus dem Fenster werfen, man muss sie die Treppe herunter kämpfen. Und zwar Stufe für Stufe." Wer das schaffen will, geht erstens in kleinen Schritten vor und versucht nicht in einem Sprung von ‚A' nach ‚C' zu gelangen. Er oder sie malt sich zweitens in den buntesten Farben aus, wie toll es sein wird, wenn das Ziel erreicht ist. Und er oder sie vergegenwärtigt sich der eigenen Ressourcen, die dafür zur Verfügung stehen.

 

Im lösungsorientierten Coaching können genau diese Schritte gemeinsam mit dem Coach realisiert werden.

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