Kürzlich fand ich eine interessante Studie! Stellen Sie sich bitte folgendes Versuchs-Setting vor: In einem Warteraum duftet es herrlich nach frischgebackenen Schokoladenkeksen, die dort in einer Schale auf einem Tisch stehen. Daneben – olfaktorisch und gustatorisch weniger eindrucksvoll – eine Schale mit Radieschen. Nun werden die Versuchsteilnehmer einzeln gebeten, in diesem Raum Platz zu nehmen, um auf den eigentlichen Versuchsbeginn zu warten. Die eine Hälfte bekommt den Hinweis, dass sie sich gerne an den leckeren Keksen bedienen dürfe. Der anderen Hälfte werden hingegen ausschließlich die Radieschen angeboten. So dürfen die einen genießen, während die anderen ihre gesamte Selbstdisziplin aktivieren müssen.
Danach beginnt der Test. Dabei geht es darum, ein bestimmtes geometrisches Muster mit dem Stift nach zu ziehen, ohne diesen zwischendurch abzusetzen oder Linien doppelt zu zeichnen. Eine Aufgabe, die im Unterschied zum ganz ähnlichen, aber viel einfacher gehaltenen „Haus vom Nikolaus“ unlösbar ist. Beobachtet wird vielmehr die Ausdauer, mit der die Teilnehmer arbeiten. Das Ergebnis ist verblüffend und eindeutig. Diejenigen, die die Kekse essen durften, strengten sich nachher durchschnittlich 19 Minuten an. Die anderen, die sich die Kekse versagen mussten, hielten nur noch 8 Minuten durch.
Selbstdisziplin scheint also ein Muskel zu sein, der ermüden kann. Das würde erklären, warum manch einer nach einem langen Arbeitstag voller Selbstkontrolle nicht mehr die Kraft aufbringt, Sport zu treiben. Oder warum einige Menschen kugelrund und gleichzeitig disziplinierte Arbeiter sein können. Oder warum werdende Ex-Raucher häufig über eine Zunahme an Körpervolumen klagen.
Viel zu selten wird auf die Risiken und Nebenwirkungen des Kampfes gegen den inneren Schweinehund hingewiesen.
Vielleicht wird aber auch andersherum ein Schuh daraus. Möglicherweise fühlten sich die Keksgenießer in dem Experiment durch das leckere Angebot einfach in höherem Maße verpflichtet, die erfahrene Gunst auszugleichen (ein Prinzip, das sich seit vielen Generationen Verkäufer zunutze machen, wenn sie Kunden mit Werbegeschenken überhäufen).
Vielleicht hilft vitaminreiche und ballaststoffhaltige Kost auch einfach, sich zu konzentrieren und frühzeitig zu erkennen, wenn eine Aufgabe nicht aufgeht. Aufzugeben wäre dann eher ein Zeichen von Klugheit, denn von mangelnder Ausdauer.
Was meinen Sie, welche Erkenntnisse lassen sich aus diesem Experiment ableiten? Ich freue mich auf Ihre Meinung, hier als Kommentar oder direkt per Email an mich (ap(at)trainsform.de).
