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04

Aug

2010

Feedback ist immer - über ein Trojanisches Pferd

Wohl kaum ein Begriff wird derart inflationär verwendet wie „Feedback“. Beim Bullshit-Bingo ein sichere Bank. Und kaum ein Begriff vermag es so gekonnt, Absichten zu verschleiern. Seien wir ehrlich, in gefühlten 90% aller Fälle ist mit Feedback „Kritik“ gemeint. Feedback ist eine Art Trojanisches Pferd der Kommunikation.

 

Das Tückische daran ist, dass das Konzept Feedback eine Art eingebauten Abwehrneutralisator besitzt, denn wir alle kennen das oberste Feedback-Gebot: „Du sollst Dich nicht rechtfertigen!“ Gleichzeitig scheint es so etwas wie eine allgemeingültige Feedback-Konvention zu geben. Die lautet ungefähr „Wir sind alle total offen für Feedback“. Oder haben Sie jemals jemanden auf die Frage „Darf ich Dir Feedback geben?“ „Nein“ antworten hören? Perfide, oder? Wir müssen uns ständig Feedback aussetzen und dürfen uns nicht dagegen wehren. Für mich klingt das leicht neurotisch.

Und was tut man gemeinhin, wenn man Schmerz nicht unmittelbar abwenden kann? Ihn ertragen und sich merken. Die Transaktionsanalytiker sprechen dann davon, dass „Rabattmarken“ gesammelt werden. Und die gilt es bei sich bietender Gelegenheit einzulösen. Z.B. beim nächsten Feedback.

 

In Unternehmen ist Feedback heute institutionalisiert. Es wird in Fragebögen formuliert und in Regelkommunikation erfasst – unausweichlich für Mitarbeiter in ihrer Untergebenenrolle. Besonders in Kommunikationsseminaren wird viel Feedback organisiert: Feedback zu Vorträgen, Rollenspielen, Kooperationsübungen, etc. Dabei ist Feedback immer! Jede Form von Resonanz auf mein eigenes Verhalten, die bei mir ankommt, ist Feedback. Die Fähigkeit, sensibel für diese Resonanz zu sein, ist uns glücklicherweise in die Wiege gelegt. Bestimmte Neuronen, die sogenannten ‚Spiegelneuronen‘, sorgen dafür, dass ich das empfinden kann, was mein Gegenüber empfindet, ohne dasselbe tatsächlich tun zu müssen. Wer Zugang zu dieser Fähigkeit besitzt, der braucht kein zusätzliches Feedback mehr.

 

Eine wundervolle Art, Feedback auszutauschen, habe ich bei Dr. Peter Szabó kennen gelernt. Sie nennt sich „Wertschätzungstratsch“ und funktioniert eigentlich ganz einfach. Nach einer Übung sprechen („tratschen“) die Beobachter über die Arbeit des Hauptakteurs so, als wäre dieser nicht anwesend und ausschließlich positiv. Wer das einmal erlebt hat, der ahnt, dass das süchtig machen kann. Und ich kann nicht behaupten, dadurch schlechter gelernt zu haben, auch wenn meine Fehler nicht schonungslos und mit analytischem Eifer aufgedeckt wurden. Im Gegenteil! Lob aktiviert unser Belohnungszentrum und Dopamin flutet unser Gehirn. Das Tolle daran ist, dass Dopamin als neuroplastischer Botenstoff gilt. Etwas frei übersetzt bedeutet das, dass mit Dopamin bestimmte, zu dem Zeitpunkt aktive Neuronenverbindungen verstärkt werden. Dopamin ist also so ein Art Plastilin für das Gehirn.

 

Und wer dennoch etwas über seine Fehler lernen will, der hört einfach auf das, was nicht angesprochen wird. Feedback ist eben immer!

 

Herzlichst Ihr

Alexander Pauly

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Kommentare: 1

  • #1

    Herbert Lohner (Montag, 18 Oktober 2010 10:15)

    Kann dem nur beipflichten! Obwohl ich Feedback schätze und (meist nach Aufforderung) auch selbst gern gebe, wird es mittlerweile schon sehr inflationär eingesetzt - und gerne auch mit Kritik vermischt (wobei Kritik an und für sich ja auch konstruktiv und positiv sein kann).
    Schöne Grüße
    Herbert Lohner

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