Do

16

Sep

2010

Spieglein, Spieglein ... von der Kunst, Gefühle zu übertragen

(c) Peter Hebgen / pixelio.de (c) Peter Hebgen / pixelio.de

Man stelle sich Folgendes vor: Sie gehen in einen Raum zu anderen Personen und plötzlich, in sehr kurzer Zeit haben alle gute Laune. Wäre das nicht toll? Und es funktioniert tatsächlich, zumindest bei manchen Menschen. Der kalifornische Psychologe Howard Friedman ist bereits in den achtziger Jahren dem Prinzip der Affektübertragung auf der Spur gewesen. Dazu stellte er folgenden Versuch an.

Zunächst entwickelte er einen Test, mit dem er messen wollte, wie gut jemand Gefühle auf andere übertragen kann. Dazu fragte er danach, wie laut jemand lacht, ob er Körperkontakt im Gespräch sucht oder ob er gerne im Zentrum der Aufmerksamkeit steht. Die maximal erreichbare Punktzahl lag bei 117. Ein durchschnittliches Ergebnis lag bei ca. 70 Punkten.

 

Dann wählte er Personen aus, die bei dem Affektübertragungs-Test sehr gut abgeschnitten hatten (>90 Punkte) sowie Personen, die eine niedrige Punktzahl hatten (<60 Punkte). Er ließ sie alle einen weiteren Fragebogen ausfüllen um zu messen, wie gut sie sich zum aktuellen Zeitpunkt fühlten. Anschließend schickte er eine Person aus der Gruppe derer, die im Affektübertragungs-Test eine hohe Punktzahl erreicht hatten zusammen mit zwei Personen mit niedriger Punktzahl in einen Raum. Sie durften einander ansehen, aber nicht mit einander sprechen – für zwei Minuten.

 

Anschließend wurden Sie gebeten, den Fragebogen zur Gefühlslage erneut auszufüllen. Dabei fand Friedman heraus, dass die Sieger im Affektübertragungs-Test es innerhalb kurzer Zeit geschafft hatten, ihre Stimmung auf die andere Gruppe zu übertragen. Mit anderen Worten, wer eine niedrige Punktzahl hatte, fühlte sich besser oder schlechter, je nachdem, wie es der Person mit hoher Punktzahl ging.

 

Friedman ging davon aus, dass sein Affektübertragungs-Test so eine Art charismatisches Potenzial ermittelte. Die Fähigkeit, ohne Worte Gefühle zu übertragen. Heute wissen wir, dass es Spiegelneurone gibt, die es uns ermöglichen, im wahrsten Sinne des Wortes „mitzufühlen“, wie es einem anderen Menschen gerade geht. In diesen Neuronen spiegelt sich die Aktivität der Gehirnzellen meines Gegenübers wieder.

 

Wenn ich das zugrunde lege, dann Frage ich mich, ob man Friedmans Test nicht umkehren kann und muss. Vielleicht weist eine niedrige Punktzahl im Affektübertragungs-Test nicht nur auf niedriges Charisma sondern auch auf hohe Empathiewerte hin.

 

Faszinierend finde ich beide Gedanken.

 

Herzlichst, Ihr

Alexander Pauly

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