Mi

08

Dez

2010

Ziele und Potenziale

Gerd Altmann / pixelio.de Gerd Altmann / pixelio.de

Wie wichtig sind Ziele für den persönlichen Erfolg eigentlich wirklich? Wenn man der aktuellen Ratgeberliteratur Glauben schenkt, dann muss man sich nur ein „smartes“ Ziel setzen und mit der richtigen Strategie kommt der Erfolg von ganz allein. Achten Sie einmal darauf, wie oft z.B. die Themen „Zeitmanagement“ oder „Erfolg“ mit Zielsetzung verknüpft werden. Ich frage mich, warum niemand auf die Risiken und Nebenwirkungen hinweist? Z.B. darauf, dass Ziele zu erreichen auch Druck macht und Ziele nicht zu erreichen Frust. Natürlich könnte man dagegen einwenden, dass die Ziele dann vermutlich nicht klug formuliert wurden. Fragt sich nur, wie verlässlich Ziele überhaupt formuliert werden können.

Ziele helfen fraglos, sich zu fokussieren und sie können motivierend wirken. Aber was, wenn ich alles andere ausblende, was meiner Meinung nach nicht zum Ziel gehört? Ich kenne Situationen, in denen das durchaus Sinn macht und zwar immer dann, wenn ich ein kurzfristiges Ziel habe, für das ich alle Kräfte mobilisieren will, wie z.B. einen Hausbau abschließen, ein Buch schreiben, etc. Dann ist Tunnelblick angesagt.

 

Darüber hinaus bin ich überzeugt, dass Ziele nur eine Hälfte der Wahrheit sind. Die zweite, absolut gleichberechtigte, liegt in dem Potenzial, dass eine jede Situation hergibt. Um Erfolg zu haben oder einfach nur um glücklich und selbstbestimmt leben zu können, braucht es Fokus ebenso wie Weitung von Wahrnehmung – ein jedes zu seiner Zeit.

 

Ich vergleiche das mit der Wahrnehmung eines Sportlers. Fokussiert ist z.B. ein Fußballer, der den Torabschluss sucht. Nichts gefährdet den Erfolg stärker, als Ablenkung im Moment des Schusses. Das ist mit ein Grund, warum weniger zu denken für Stürmer nicht unbedingt von Nachteil sein muss. In jeder anderen Spielsituation muss er seine Wahrnehmung möglichst weich zentrieren, das bedeutet, er muss in der Lage sein, auch an den Rändern seines Blickfeldes Informationen aufzunehmen. Gelingt ihm das nicht, entgeht ihm womöglich der besser postierte Mitspieler oder er vermag es nicht, einen erfolgversprechenden Spielzug zu initiieren. Wirklich guten Spielern spricht man daher die Fähigkeit zu, eine Spielsituation zu „lesen“, also in jeder Situation zu erkennen, was die Situation hergibt und Chancen zu ergreifen.

 

Fokussieren und den Blick weiten, „weich“ zentrieren, sind also ein wenig wir Yin und Yang. Das eine kann nicht ohne das andere Erfolg bringen. Wenn ich nach den Wechselwirkungen zwischen Zielen und Potenzialen suche, fallen mir die folgenden vier ein:

 

  1. Ziele eröffnen Chancen!
    Das Prinzip der selektiven Wahrnehmung. Wenn ich weiß, was ich will und was mich antreibt, dann entgeht mir nichts, was damit in Verbindung steht.
  2. Ziele brauchen Chancen!
    Wenn ich im Lotto gewinnen will, sollte ich ein Los kaufen. Wer Erfolg haben will, sollte auch ab und an zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein.
  3. Potenziale ermöglichen Zielerreichung!
    Offen zu sein für das Potenzial, das in einer gegebenen Situation verborgen liegt, bedeutet, Umwege aber auch Abkürzungen in Kauf zu nehmen. Wer z.B. in einer Verhandlung an seinem Preisziel festhält, obwohl der Partner die Chance bietet, mehr Geschäft zu veränderten Konditionen zu machen, lässt u. U. Chancen aus, die sich langfristig auszahlen könnten.
  4. Potenziale brauchen Orientierungspunkte!
    Wer für alles offen ist, kann nicht ganz dicht sein. Um in einer gegebenen Situation das richtige tun zu können, braucht es einen Gradmesser für die richtige Richtung. Einen solchen Kompass können Ziele oder – vielleicht etwas abgehobener – Werte darstellen. Nur wer weiß, was ihm wichtig ist, kann Potenziale nutzen.

 

Um das Potenzial einer Situation zu nutzen ist es nicht mit Feigenblättern wie „seien Sie offen für Neues“ oder „passen Sie Ihre Ziele flexibel an“ getan. Es erfordert ganz allgemein gesagt die Fähigkeit, sich selbst von außen zu betrachten. In stressigen Situationen, in denen ich vollkommen involviert bin, hilft mir zudem meine Intuition. Wer also nicht nur hart, sondern auch weich zentrieren will, der nimmt sich zum einen bewusst Reflexionszeit (ggf. mit professioneller Unterstützung) und der übt sich zudem darin, Intuition zu zulassen und zu interpretieren. Dann gelingt das Wechselspiel aus Fokussierung und Weitung: Pass in die Tiefe des Raums – Schuss – TOR!!!

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